Kultur

Günter Brus: Wiener Aktionismus und sein Beitrag zur modernen Kunst – 20. Jahrhundert

Das Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien (mumok) trauert um den österreichischen Künstler Günter Brus, der am 9. Mai 2021 verstorben ist. Brus war einer der Hauptvertreter des Wiener Aktionismus, einer Kunstbewegung, die in den 1960er-Jahren für Aufsehen sorgte. Am 7. Juni 1968 führte Brus zusammen mit anderen Künstlern an der Universität Wien die Aktion „Kunst und Revolution“ durch, bei der sie während des Singens der österreichischen Bundeshymne urinierten und masturbierten. Daraufhin wurde Brus wegen obrigkeitsschädigendem Verhalten verurteilt und floh mit seiner Familie nach Berlin, wo er die „Österreichische Exilregierung“ gründete. Schon zuvor hatte er 1965 mit seinem „Wiener Spaziergang“, bei dem er bemalt durch Wien ging, öffentliche Aufmerksamkeit erregt und wurde in Polizeigewahrsam genommen.

Die Aktionen des Wiener Aktionismus, zu denen auch Otto Muehl, Hermann Nitsch und Rudolf Schwarzkogler gehörten, waren nicht nur Ausdruck einer verspäteten Modernisierung in der österreichischen Kunst, sondern auch eine kritische Auseinandersetzung mit einer Gesellschaft, die sich ihrer NS-Vergangenheit entziehen wollte. Brus‘ künstlerische Ausbruchsversuche waren Teil einer allgemeinen körperbezogenen Kunst, die auch das Medium der Malerei erweiterte und vor Erstarrung bewahrte. Seine Arbeit war von der expressionistischen Malerei der Moderne und dem Informel der 1950er-Jahre beeinflusst. Durch seine eruptiven, schwarz-weißen Bilder und seine Körperaktionen drückte Brus eine radikale Entgrenzung aus, die bis an die Grenzen der Selbstverletzung und Selbstverstümmelung ging.

Nach dem Ende der Aktionen des Wiener Aktionismus konzentrierte sich Brus auf seine zeichnerischen und literarischen Fähigkeiten, die die eigentliche Basis seiner künstlerischen Karriere bildeten. Er wurde als literarisch versierter Autor, Zeichner und Maler anerkannt und erhielt schließlich 1996 den Staatspreis. Wie auch andere österreichische Künstler wie Egon Schiele und Oskar Kokoschka, auf die sich Brus in seinem Werk bezog, wurde er anfangs missverstanden und später als Held nationaler Identität stilisiert.

Das mumok hat in seiner Sammlungs- und Ausstellungspolitik dem Wiener Aktionismus und insbesondere Günter Brus eine zentrale Stellung eingeräumt. Die Sammlung des mumok gilt weltweit als umfangreichste Museumsammlung für den Wiener Aktionismus. Das Werk von Günter Brus wird regelmäßig in verschiedenen thematischen Zusammenhängen gezeigt, um seine Bedeutung für die Verbindung von Kunst und Gesellschaft zu verdeutlichen.

Mit dem Tod von Günter Brus verliert die Kunstwelt einen international anerkannten Künstler und eine wichtige Stimme gegen lokale Selbstgenügsamkeit. Das mumok spricht seiner Frau Anna Brus und seiner Tochter Diana sein Mitgefühl aus.

Diese Tabelle enthält eine Übersicht über Günter Brus und den Wiener Aktionismus:

KünstlerGünter Brus
BedeutungHauptvertreter des Wiener Aktionismus
Bekannt fürAktion „Kunst und Revolution“
Ausstellungspolitik des mumokGünter Brus hat eine zentrale Stellung in der Sammlungs- und Ausstellungspolitik des mumok
Mumok-SammlungDas mumok besitzt die weltweit umfangreichste Museumsammlung für den Wiener Aktionismus

Quelle: Pressemitteilung des mumok (ohne Angabe der Quelle)



Quelle: mumok Museum Moderner Kunst / ots

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