Satire

Medimops & der verkehrte Bücherwald: Eine humorvolle Satire über den Nutzen und Wahnsinn des Online-Gebrauchtwarenhandels

Medimops, oder wie ich lernte, die Bücher zu lieben

Da ich ein Kulturbanause bin, der sich weigert, realen Büchern zu huldigen, machte mich nichts glücklicher als der Online-Marktplatz Medimops. Das ist ein Ort, an dem jede Otti Normalleserin und jeder Otto Normalleser völlig gebrauchte Bücher, CDs, DVDs und Videospiele erwerben kann. Und nicht nur das! Man kann dort auch seine eigenen alten Bücher, CDs, DVDs und Videospiele verkaufen. Klingt zu gut, um wahr zu sein, nicht wahr?

Genau. Denn bei Medimops wird jeder von uns zum Händler verdorrter Hoffnungen. Unsere materiellen Erinnerungsstücke – schon etwas abgenutzt, mit ein paar kerzengerade geknickten Buchrücken und ein paar liebevollen Kaffeeflecken – werden an eine anonyme Masse Enthusiasten verhökert, die scheinbar die fehlende digitale Verbindung zwischen uns und den gutgläubigen Käufern nicht wahrnehmen wollen.

Natürlich verkauft sich nicht alles. Glauben Sie wirklich, dass Ihre alte DVD-Sammlung von SATC (Sex and the City) mehr wert ist als das Plastik, in das sie eingewickelt ist? Seien wir ehrlich, diese Dinger funktionieren nicht mal als weltweit schlechtestes Frisbee. Und dieses alte „Herr der Ringe“-Buch, das Sie verkaufen wollen? Die sind so häufig, dass man sie schon als Packpapier verwendet – und sie sind immer noch zu dick!

Ein weiterer köstlicher Aspekt von Medimops sind die Preise. Sicher, die „durchschnittlichen“ Produkte werden für ein Schnäppchen angeboten, aber sobald Sie etwas Seltenes oder Obskures suchen, verwandelt sich der virtuelle Flohmarkt in einen elitären Onlinehändler. Suchen Sie ein seltenes, obskures Buch? Das macht dann 500 Euro! So viel zum Versuch, eine umfangreiche Bibliothek aufzubauen, um die Nachbarn zu beeindrucken.

Und dann sind da noch die Produktbeschreibungen. Ach, die Produktbeschreibungen. Sie lautet in der Regel „gebraucht – akzeptabel“ – was in Medimops-Sprache ungefähr so viel bedeutet wie „nur kurz vom Auto überrollt“. Wer braucht schon einen Überblick über die gesamte Erzählung, wenn man vor lauter Eselsohren und Kaffeeringen deren Fortgang nur erahnen kann?

Aber das Allerbeste ist, den Zeitpunkt festzulegen, zu dem Sie bereit sind, Ihre alten Schätze abzugeben. Natürlich letztendlich aus Verzweiflung, Hust. Denn der Medimops-Lieferdienst ist nicht nur darauf spezialisiert, Pakete zu dünner Pappe zu machen, sondern verkauft auch ein renommiertes Fitnessprogramm. Sie werden in kürzester Zeit zur Nachwuchs-Olympionikin, wenn Sie fünfmal täglich acht Kilo Bücher zur Post tragen!

Die Verkäufer? Ach, die Verkäufer. Wer sie sind, woher sie kommen? Unbekannt. So geheimnisvoll und unergründlich sind sie, dass sie fast schon legendär sind. Ein Clan geheimer Bibliophile, in deren staubigen Kellern verborgene Schätze lagern. Auf eine Weise, die Finanztransaktionen zwischen den Verkäufern und den Käufern sind verschlüsselter als jede CIA-Nachricht – und dabei denkt man nur an ein Buch über Katzenpsychologie aus den 80ern.

An welchem Punkt gerät dieser Artikel ins Lächerliche, werden Sie fragen. Ist es der vergangene Ruhm von DVDs? Die allzu akzeptablen Produktdetails? Oder vielleicht die olympischen Fitnessziele, die mit jedem Paket unerreichbarer werden?

Aber gerade das ist es womöglich, was Medimops so unwiderstehlich macht. Der Schmelztiegel der Ungereimtheiten. Die eigenartigen Verkäufer. Der Wahnsinn eines gebrauchten Buches, das noch mehr kostet als sein eigener Neupreis. Der seltsame Charme, den dieser chaotische, unordentliche, vollkommen unvorhersehbare Marktplatz ausstrahlt.

Kann man also Medimops wirklich lieben lernen? Sicherlich. Nach dem fünften ereignislosen Tag in Folge, an dem die Post nichts liefert, aber man insgeheim gehofft hat, dass da doch ein exorbitant teures Buch ankommt. Ein absolutes Meisterwerk. Ein Buch, das unsere dreckigen, verschmierten Finger noch nicht verdorben haben. Ein Buch, das trotz all seiner Makel immer noch steht. So wie Medimops. So wie wir. So wie die Liebe zur Kultur. Ist Medimops also nicht schon eine Facette unserer Kultur?

Hallo Medimops, und danke für die Fische!

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