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Salzburger Festspiele 2024: Chruschtschowa mahnt zur Wertschätzung russischer Kunst

Nina Chruschtschowa, Urenkelin des sowjetischen Politikchefs Nikita Chruschtschow, kritisierte am 26. Juli 2024 bei den Salzburger Festspielen in ihrer Eröffnungsrede die Ächtung russischer Kunst im Kontext des Ukraine-Kriegs und betonte deren Bedeutung als Symbol der Freiheit, während sie die antirussische Kulturpolitik sowohl in der Ukraine als auch die Repression gegen Kulturschaffende in Russland anprangerte.

Wichtigkeit der russischen Kultur im Kontext des Ukraine-Kriegs

Von dpa

26. Juli 2024, 13:53 Uhr

Die kulturelle Identität Russlands steht im Zentrum neuer Diskussionen während der Salzburger Festspiele 2024. In ihrer Eröffnungsrede am 26. Juli 2024 fordert Nina Chruschtschowa, Politikwissenschaftlerin und Urenkelin des sowjetischen Führers Nikita Chruschtschow, eine umfassende Wertschätzung russischer Kunst, gerade in Anbetracht der aktuellen politischen Spannungen.

Bedeutung der Kunst für die Freiheit

Chruschtschowa thematisiert, wie bedeutend Kunst in Russland im Laufe der Geschichte war. Sie betont, dass sie während des Kommunismus den Menschen half, geistig dem repressiven politischen System zu entkommen. «Kultur war unsere Freiheit», hebt sie hervor und appelliert an die Zuhörer, den kulturellen Ausdruck als ein Zeichen für die menschliche Resilienz zu betrachten.

Politische Verantwortung und Kulturelle Integration

In ihrer differenzierten Ansprache äußert sie sich klar gegen die gegenwärtige Ächtung russischer Kunstwerke, die im Zuge des Ukraine-Kriegs zugenommen hat. Chruschtschowa kritisiert auch die ukrainische Kulturpolitik, die ihrer Meinung nach die anti-russischen Strömungen verstärkt. Zugleich führt sie aus, dass der Kreml einen „Krieg“ gegen russische Kulturschaffende führt, die sich gegen die aggressive Politik des Präsidenten Wladimir Putin stellen.

Salzburger Festspiele als Plattform für russische Kultur

Die Salzburger Festspiele nehmen in diesem Jahr eine besondere Rolle ein, indem sie mit einem Schwerpunkt auf russische Werke die Präsenz und Bedeutung dieser Kultur betonen. Auf dem Programm stehen unter anderem Weinbergs «Der Idiot» und Prokofjews «Der Spieler», beides Opern basierend auf Romanen von Fjodor Dostojewski, einem der bedeutendsten russischen Autoren. In einer Lesung werden zudem die Gefängnisbriefe des oppositionellen Aktivisten Alexei Nawalny von dem Schauspieler Michael Maertens vorgetragen, was einen tiefen Einblick in die aktuellen Herausforderungen für Kritiker im russischen Regime bietet.

Ein Aufruf zur Solidarität mit der Kunst

Chruschtschowa appelliert an das Publikum, die Relevanz und den Einfluss von Kunst in schwierigen Zeiten zu erkennen. Die dramatischen Berichte über Unterdrückung und das Streben nach einem Lebenssinn, die große Autor*innen in der Vergangenheit wie Dostojewski und Solschenizyn in ihren Werken thematisiert haben, sind für sie nicht nur historische Berichte, sondern auch Lektionen über die Fähigkeit der Kunst, als Überlebensmittel zu agieren.

Die Rede von Chruschtschowa zeigt nicht nur die aktuelle politische Lage auf, sondern verdeutlicht auch den Wert von Kunst als ein gemeinsames Symbol von Hoffnung und Freiheit. In einer Zeit, in der kulturelle Ausdrucksformen intensiv hinterfragt und oft abgelehnt werden, erhebt sie eine wichtige Stimme für die Daseinsberechtigung und den Fortbestand russischer Kultur weltweit.

© dpa-infocom, dpa:240726-930-185261/1

NAG

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